Redaktioneller Vorspann:
Wenn die Korn- und Strohfeuchte im Mähdrusch ein
zentrales Element aller Einsatzentscheidungen und Kostenfaktoren darstellt, so ist es im
Drusch von Saat- und Sonderfrüchten die zentrale Führungsgröße schlechthin. Mit
anderen Worten, die Kornfeuchtemessung ist in der Mähdruschemte der Schlüssel der
Entscheidung.
Der Mähdrusch von Saatgut ist um die notwendige
Keimfähigkeit zu sichern ohnehin an einen jeweils an die Frucht gebundenen Feuchtebereich
gebunden. Es ist aber auch das Wechselspiel von Fahrgeschwindigkeit (Durchsatz und damit
der Umfang der Beaufschlagung des Druschgutes) und Mähdreschereinstellung (also Eingriff
und damit auch der Umfang der Beaufschlagung des Druschgutes) die den gekonnten
Saatgutdrusch ausmacht. Die bestmögliche Beachtung der Möglichkeiten bringt im Drusch
von Saatgut und Sonderkulturen noch höhere wirtschaftliche Ergebnisse - bzw. erschließen
Reserven - wie sie im Getreidedrusch nachgewiesen wurden. Die Autoren geben dazu für alle
Saat- und Sonderfrüchte geltende Ratschläge.
Saatfrüchte aller Art sollen zur Erhaltung einer hohen
Keimfähigkeit möglichst im günstigsten Reife- und Feuchtebereich geerntet werden. Für
Getreide zeigt dies in der Tendenz Abb 1. Für Grassamen gelten die
von POHLER aufgestellten Grundsätze (Tab. 1).
Daraus ergeben sich aber für die Saatgutfrüchte
unterschiedliche Schlußfolgerungen. Während bei Wiesenschwengel die Keimfähigkeit nur
von 95 auf 96 % steigt, steigen die Ausfallverluste von 0 auf 30,3.. Bei Knaulgras steigt
die Keimfähigkeit nur von 88 auf 87 %, die Ausfallverluste jedoch auf 72 % (!). Dafür
steigt bei Wiesenlieschgras die Keimfähigkeit von 86 auf beachtliche 93%. Der Ausfall
steigt nur von 0 auf 3,7 %. (Tab. 2).
Die von POHLER dargestellten Werte sind natürlich durch
die seither erfolgte Züchtung und Anbautechnologie so in den einzelnen grasvermehrenden
Agrarunternehmen nicht zu übernehmen. Die Tabellen 1 und 2 zeigen,
zunehmende Reife bringt höhere Keimfähigkeit, aber auch zunehmende Ausfallgefahr. Das
Berücksichtigen von Schlagunterschieden, das ständige Messen der Kornfeuchte und das
Prüfen von Ausfallgefahr (Fruchtstand in einem Bündel auf die geöffnete Handfläche
schlagen) sind die Maßnahmen, die in Bezug auf Feuchte- und Reifeprüfung nötig sind.
Ein gutes Feuchtemessgerät ist dazu Voraussetzung.
Der Tagesverlauf entscheidet
Bei Erreichen der Druschfähigkeit entscheidet im Laufe
eines "normalen Sommertages" der Tagesverlauf, daß heißt der von uns oft
dargestellte "Tagesberg" in der Leistung. Darin zunächst der Feuchteverlauf an
einem "normalen Sommertag". Es wird deutlich, daß etwa 10 Stunden für einen
Qualitätsdrusch zur Verfügung stehen. Dabei ist immer zu berücksichtigen, daß auch die
Abreife des Strohes gegeben sein muß. Die Strohverdrehprobe, also die Frage wie es um die
Reife und damit Feuchte des Strohes steht, ist dabei ein Bestandteil der gesamten
Feuchtemessung.
Die Feuchteverteilung im Getreidefeld zeigt die nächste
Abbildung. Wichtig ist auch die Stärke des Taufalls. Es ist in der Praxis zu wenig
bekannt, daß starker Tau das Korn stärker durchleuchten kann als eine mittellanger
Regenschauer (Tabelle 3). Für Saatgut aller Art, z. B. auch für
Saatroggen, der bei großer Trockenheit und in exportierten Lagen, zum Beispiel in
Brandenburg leicht splittert und dadurch stark in der Keimfähigkeit beeinträchtigt wird,
hat BAUMECKER die Gegebenheiten von Luftfeuchtigkeit und Tagesleistung dargestellt.
BAUMECKER nutzte dabei die Möglichkeiten des Leistungszuwachses wie sie in der nächsten
Abbildung dargestellt sind.
Die Bedeutung der Maschinenfüllung
Je trockener und damit zumeist auch empfindlicher die
Saatfrüchte werden, desto mehr steigt die Bedeutung einer möglichst großen
Maschinenfüllung. Die Füllung zwischen Trommel und Korb entscheidet über die
Abscheidung der Körner sowohl am Korb als auch folgend der Schüttler und Rotoren. Wie
sich die Körner bei verschiedener Füllung zwischen Trommel und Korb in der
Korbabscheidung verhalten zeigen die Abbildungen. Wichtig ist immer
die maximale Füllung der Maschine!
Die Qualitätserhaltung, also Saatgutschonung ist immer
dann am höchsten, wenn der Rückprall der Körner von den Korbleisten möglichst gering
gehalten wird. Trifft eine Schlagleiste z. B. mit einer hohen Drehzahl auf die Frucht,
dann entspricht das dem Aufschlag von etwa 100 km/h. leer leidet das Korn (z. B.
Saatroggen) noch keinen Schaden. Bei Saaterbsen trifft das Gleiche bei beispielsweise 50
km/h zu. Trifft das Saatgut dann aber auf die Korbleiste auf, dann prallt das Korn in der
Regel mit 60 bis 80 % der Aufschlaggeschwindigkeit zurück.
Trifft dann die nächste Schlagleiste z. B. mit 100 km/h
auf, dann summiert sich das mit dem Rückprall auf über 160 km/h. Dann hält das Korn der
Belastung nicht mehr stand bzw. die Keimanlage wird beschädigt. Die Abbildung
zeigt die Zusammenhänge.
Optimale Kombinationen entscheiden
Die bisherigen Darlegungen zeigen, daß von der
ständigen Überwachung der Ausreife unter ständiger Feuchtemessung, aber auch
Abreifeprüfung des Strohes weiter über die Auswahl der bestmöglichen Tageszeit bis zur
optimalen Maschinenfüllung im Saatgutdrusch die jeweils günstigste Kombination
angestrebt werden muß. Entscheidend dabei ist die "Verlustvorgabe". Dazu hat
die Autorengruppe eine neue Prüfschale entwickelt, die mit Anbringungen für alle
wichtigen Sonderfrüchte abzulesen gestattet, wenn eine geringe mittlere und höhere
Verlustvorgabe erreicht ist, daß heißt wenn die Maschinenfüllung den notwendigen
unteren Grad, den optimalen Grad oder den notwendigen maximalen Grad erreicht hat. Das ist
um so wichtiger als die feinsamigen Saat- und Sonderfrüchte von dem elektronischen
Bordsystem nicht erfaßt werden. Mit Hilfe dieser neuen Prüfschale, die Ende Mai 1998 in
den Handel kommt, wird es möglich sein, bei jeder einzelnen Saat- und Sonderfrucht die
Maschine an die höchstmögliche Leistung heranzufahren. Eine exakte Bedienanleitung, die
in der Schale bzw. auf der Rückseite der Schale abriebfest aufgetragen ist, erläutert
alle Arbeitsgänge und gibt vor allem die Werte für die jeweilige Situation gleich
konkret vor. Es ist dies das Kernstück jeglicher Optimierung. Natürlich setzt das
voraus, daß man von der Abreife und dem Ernteterrmin die günstigste Ausgangsposition
wählt, die sich betrieblich finden läßt.
Fazit:
Der Drusch von Saat- und Sonderfrüchten erfolgt heute
noch ausschließlich nach den betriebsinternen Erfahrungen. Diese sind in der Regel gut,
können aber zumeist nicht die ganzen Optimierungsfaktoren beachten. Deshalb ist das
Zusammenwirken einer kontinuierlichen Feuchtemessung, das Wählen des günstigsten
Einsatztermins auch im Tagesverlauf und das Finden der größtmöglichen, jedoch noch
optimalen Maschinenfüllung das Kernstück jeder Optimierung . Wichtig ist dabei, dass vor
allem bei größeren Geländeschlägen in den feuchteren Senken die Messung exakt erfolgt
und danach ggf. in Etappen geerntet wird. Eine neue Mähdruschprüfschale, die auch bei
Vorhandensein moderner Bordsysteme auch bei Getreide zur Kalibrierung unverzichtbar ist
und in einer exakten Anleitung des Optimierungsprozesses und tageskonkreten Werten aus der
jeweiligen Messung, gibt ab 1998 die Möglichkeit, gezielt bei den Saat- und
Sonderfrüchten auf die Optimierung des Drusches einzuwirken. Die neue Schale ist nach den
Wünschen sehr vieler Nutzer gestaltet worden. Sie ist nur 1 Meter lang. Dadurch ist der
Transport auch mit dem Pkw sehr gut möglich. Das Prüfen der Verluste bzw. das
Kalibrieren der Bordsysteme geht wesentlich schneller und durch die neuen Zählkästchen
sehr genauer vor sich. Auch eine neue Fühllehre wird zu Ende Mai 1998 bereit stehen.
Beide Meßmittel gehören zu einem künftigen komplexen System für die Prozeßleittechnik
im Mähdrusch.
Die genannten Tabellen und
Abbildungen können bei der Pfeuffer GmbH
angefordert werden!
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Autorengruppe Mähdrusch
Nordhausen
Pfeuffer GmbH
Mess- und Prüfgeräte
Dipl. -Kfm. Frank Joachim Pfeuffer
Flugplatzstr. 70
97318 Kitzingen |